Buchausschnitt
''Wissen Sie, wer ich bin?'' fragt er müde. ''Ich habe nicht die Ehre es zu wissen.'' ''Ich bin der Minister für Staatssicherheit Abakumow.'' ''Sehr erfreut.'' sage ich und mache eine leichte Verbeugung. Seine Hand vollzieht eine unbestimmte Geste. ''Sagen Sie mir zunächst, wie Sie zur Sowjetmacht stehen.'' ''Wie ich zu ihr stehe? Scharf ablehnend.'' Abakumow nickt mit dem Kopf. ''Gut, Treguboff, aber wie steht es jetzt damit?'' ''Ebenso.''
Begegnungen
Es war eine dieser zufälligen Begegnungen, die mich mit Anita Treguboff zusammentreffen ließ. Eigentlich wollte ich ihren Buchstand gar nicht ansteuern, doch ihr engagiertes Auftreten machte mich neugierig. Sie erzählte von ihrem Mann, Jurij A. Treguboff, dem Autor der Bücher, die vor ihr lagen. Sie erzählte von seinem Leben und dem Versprechen, das er den Mitinhaftierten gegeben hat, die er während seiner achtjährigen Gefangenschaft in sowjetischen Gefängnissen und Lagern kennen lernte und von denen unzählige die dort herrschenden Lebensbedingungen nicht überlebten. Sein Versprechen, erlebtes Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, löste er ein mit dem Niederschreiben seiner Erlebnisse. Ein halbes Jahrhundert später bin ich fasziniert von der Macht des geschriebenen Wortes, das Vergangenes wieder lebendig werden läßt, und von der Tatsache, dass ein Versprechen eines Menschen noch nach seinem Tod weiter wirkt.
Emily Paersch

